Energiewende soll bis 2050 1,5 Millionen neue Jobs schaffen
Autor:
Lena Sommer
Laut einer wissenschaftlichen Studie, der finnischen LUT University und der Energy Watch Group, soll die vollständige Umstellung Europas auf erneuerbare Energien bis 2050 1,5 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen können. Analysiert wurden dafür die Sektoren Strom, Wärme, Verkehr und Meerwasserentsalzung im Zuge der Energiewende. Betroffen wären vor allem Beschäftigte und Berufseinsteiger in der Erneuerbare-Energien-Branche.
Bis 2050 – 1,5 Millionen neue Jobs
Laut der Studie wäre eine Umstellung auf 100 % erneuerbare Energien wirtschaftlich konkurrenzfähig zum heutigen fossil-nuklearen System. Die Treibhausgasemissionen würden demnach noch vor 2050 auf Null sinken. Fossile Energierohstoffe und Kernkraft sollen vollständig eingestellt werden.
Der Strombedarf 2050 läge demnach vier- bis fünfmal so hoch wie die Stromproduktion von 2015, weil der Stromverbrauch mehr als 85 % des Primärenergiebedarfs ausmachen würde. Die Energiekosten für ein solches System würden zwischen 50 und 60 Euro pro Megawattstunde liegen.
Wen der Jobboom betrifft
Profitieren würden vor allem Fachkräfte in der Solar- und Windenergie, da die Stromversorgung zu 62 % aus Solarenergie und zu 32 % aus Windkraft stammen soll. Wasserkraft würde mit vier Prozent, Bioenergie mit zwei Prozent und Geothermie mit unter einem Prozent beitragen.
Etwa 85 % der erneuerbaren Energien sollen aus dezentraler, lokaler und regionaler Erzeugung stammen. Das bedeutet Chancen auch abseits großer Energiekonzerne, etwa bei regionalen Betreibern und Stadtwerken.
Was das neue Energiesystem für Arbeitgeber bietet
Ergänzend dazu betont eine europäische Infrastrukturstudie unter Beteiligung des Forschungszentrums Jülich, dass ein treibhausgasneutrales Energiesystem 2050 enge Kooperation voraussetzt. Diese von Agora Energiewende und Fraunhofer-Instituten vorgelegte Auswertung kommt zu dem Schluss, dass sich die Kosten reduzieren ließen. So soll man durch abgestimmte Netzplanung des Energiesystems zwischen 2030 und 2050 mehr als 560 Milliarden Euro einsparen können. Verzichte man auf zusätzliche Reservekraftwerke, könne man bis zu 750 Milliarden Euro einsparen. Das würde auch Investitionsentscheidungen von Arbeitgebern in der Branche beeinflussen, da ein integriertes Szenario 505 Gigawatt weniger Reservekapazität benötigen würde als ein national ausgerichteter Ansatz.
Was das für Bewerber bedeutet
Für Jobsuchende in der Energiebranche zeichnet sich ein wachsender Bedarf an Fachkräften ab, insbesondere in Bereichen wie Netzausbau, Speichertechnik und Anlagenplanung. Ein integriertes Szenario würde laut Studie 15 % weniger Windkraftkapazität an Land und 9 % weniger Wasserstoffelektrolysekapazität benötigen als ein rein national geplanter Ansatz – ein Hinweis darauf, dass europaweite statt nationaler Planung Stellen bündeln könnte.
Nach Einschätzung von Prof. Dr. Mario Ragwitz (Leiter des Fraunhofer IEG) braucht es eine europaweit abgestimmte, nachvollziehbare Modellierung, die Energieträger und Sektoren gemeinsam betrachtet, damit sich diese Vorteile tatsächlich realisieren lassen. Prof. Dr. Wolfgang Eichhammer vom Fraunhofer ISI ergänzt, dass ein Top-down-Ansatz helfen würde, Bereiche mit Investitionsbedarf zu identifizieren. Frauke Thies, die die europäische Arbeit von Agora Energiewende leitet, begründet die Notwendigkeit der Planung damit, dass Investitionen dort fließen sollen, wo sie den Einsatz sauberer Technologien am besten unterstützen.
Tipps für den Einstieg in die Energiebranche
- Weiterbildungen in Netzplanung, Speichertechnik und Wasserstofftechnologie erhöhen die Chancen auf eine Stelle.
- Regionale Energieversorger und Stadtwerke bieten Einstiegsmöglichkeiten abseits großer Konzerne.
- Bewerber sollten auf Kenntnisse in Sektorenkopplung achten, da diese laut Studie gefördert werden soll.
- Ein Blick auf europäische Projekte lohnt sich, da integrierte Planung über Ländergrenzen hinweg an Bedeutung gewinnt.
- Wer früh auf erneuerbare Energien setzt, positioniert sich für einen Markt, der bis 2050 wachsen soll.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.