Mercedes-Benz: Vier Tage Büropflicht ab 2027 für Vollzeitbeschäftigte
Autor:
Lena Sommer
Bei Mercedes-Benz soll in Deutschland ab dem 1. Januar 2027 eine Präsenzpflicht von vier Tagen pro Woche für Vollzeitbeschäftigte gelten. Der Konzern kündigte dafür die bestehende Betriebsvereinbarung zum mobilen Arbeiten. Stimmen die Betriebsräte nicht zu, droht ab Ende März 2027 eine vollständige Büropflicht an allen fünf Arbeitstagen.
Im Überblick:
- Vorgesetzte dürfen Vollzeitbeschäftigten bis zu vier Anwesenheitstage pro Woche vorschreiben, ohne das zu begründen.
- Die bisherige Regelung aus dem Jahr 2016 erlaubte bis zu fünf mobile Tage pro Woche.
- Die neu eingeführte Vorgabe ist Bestandteil einer umfassenden Produktoffensive, welche durch den Vorstand zum Ende des Monats Juni initiiert wurde.
- Parallel plant der Konzern eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 38 Stunden ohne Lohnausgleich.
Was sich für Vollzeitbeschäftigte bei Mercedes-Benz ändert
Statt wie bisher bis zu fünf Tage mobil zu arbeiten, sollen Vollzeitbeschäftigte künftig an vier Tagen pro Woche im Büro erscheinen. Führungskräfte können diese Vorgabe nach eigenem Ermessen festlegen, eine Begründung ist dafür nicht nötig. Rechtlich ist das möglich: Der Arbeitgeber bestimmt den Arbeitsort grundsätzlich per Weisungsrecht, sofern Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung nichts anderes vorsehen. Betriebsvereinbarungen lassen sich zudem kündigen, sie sind also nicht dauerhaft bindend.
Stimmen die Betriebsratsgremien der Standorte der neuen Vier-Tage-Regel nicht zu, greift ab Ende März 2027 eine noch strengere Variante: Dann müssten Vollzeitbeschäftigte an allen fünf Arbeitstagen im Büro erscheinen.
Wen die neue Büropflicht betrifft
Betroffen sind Vollzeitbeschäftigte an den deutschen Standorten von Mercedes-Benz. Für Führungskräfte gilt bereits seit Anfang 2025 eine Präsenzpflicht an allen fünf Wochentagen. Mercedes-Chef Ola Källenius hatte im Sommer sogar angestrebt, mobiles Arbeiten für die oberste Führungsebene vollständig abzuschaffen.
Die Betriebsräte akzeptierten den Kompromiss von vier Präsenztagen unter Druck: Ohne neue Regelung hätte nach einer Übergangsfrist von sechs Monaten gedroht, dass mobiles Arbeiten gar nicht mehr möglich gewesen wäre.
Warum Mercedes-Benz auf mehr Präsenz im Büro setzt
Der Konzern kämpft mit rückläufigen Verkaufszahlen und schrumpfenden Gewinnen. Das Management hält die Arbeitskosten an deutschen Standorten im internationalen Vergleich für zu hoch. Die Anwesenheitsquote in den Büros war zeitweise auf rund 50 % gesunken, wie der Konzern mitteilt.
Arbeitsdirektorin Britta Seeger räumte ein, dass einzelne Beschäftigte praktisch gar nicht mehr am Arbeitsplatz erschienen seien. Sie begründet die verstärkte Präsenzpflicht mit einer besseren Zusammenarbeit durch mehr persönliche Kontakte und spontane Treffen. Die Vier-Tage-Regel ist Teil einer Produktivitätsoffensive, zu der auch die geplante Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 38 Stunden sowie Einschnitte bei Weihnachts- und Urlaubsgeld gehören.
Zu einem gänzlich anderen Befund gelangt hingegen eine Studie der University of Pittsburgh aus dem Jahr 2024, die sich mit den Top-500-Konzernen der USA befasst hat: Demnach greifen Betriebe vorwiegend dann zu Einschränkungen beim mobilen Arbeiten, wenn sie sich in einer wirtschaftlich angespannten Lage befinden. Die finanzielle Lage dieser Unternehmen habe sich durch die Einschränkung von Homeoffice jedoch nicht spürbar verbessert.
Was die Vier-Tage-Büropflicht für Bewerber bedeutet
Wer sich bei Mercedes-Benz bewirbt, sollte die geplante Vier-Tage-Präsenz als festen Bestandteil des Arbeitsalltags einplanen, nicht als Ausnahme. Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten 2025 rund 25 % der Erwerbstätigen in Deutschland zumindest gelegentlich von zu Hause aus, ein Anteil, der in den Vorjahren leicht gestiegen war. Mercedes-Benz bewegt sich mit der neuen Regel damit gegen diesen allgemeinen Trend am Arbeitsmarkt.
Auf der Bewertungsplattform kununu berichten Beschäftigte von Mercedes-Benz von fehlender Strategie, einem fehlenden gemeinsamen Ziel und mangelnder Kommunikation durch den Vorstand. Die Stimmung unter den Mitarbeitenden ist dem Bericht zufolge seit Anfang des Monats deutlich gesunken. Der Betriebsrat lehnt vier Tage Büropflicht als generellen Standard ab und fordert stattdessen eine verantwortungsvolle Nutzung der bestehenden Spielräume.
Tipps für Bewerber bei Mercedes-Benz
- Im Vorstellungsgespräch gezielt nach der konkreten Präsenzregelung am jeweiligen Standort fragen.
- Pendelstrecke und Wohnort realistisch einplanen, da vier Bürotage pro Woche die Regel werden sollen.
- Bei Interesse an Führungspositionen die bereits geltende Fünf-Tage-Präsenz für Führungskräfte berücksichtigen.
- Entwicklungen bei Betriebsrat und Betriebsvereinbarung im Blick behalten, da sich die Regel bis 2027 noch ändern kann.
- Auf Bewertungsplattformen wie kununu aktuelle Einschätzungen aktueller und ehemaliger Beschäftigter einholen.