Lehrlinge in Österreich: Erstmals unter 100.000 – was das für Jugendliche bedeutet
Autor:
Lena Sommer
Im September 2026 lag die Zahl der Lehrlinge in Österreich bei 95.057 Personen – erstmals seit Beginn der Erhebung unter der Marke von 100.000. Das entspricht einem Rückgang von 4,3 % gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Zahl der Jugendlichen im ersten Ausbildungsjahr überbetrieblicher Lehrwerkstätten auf 3.094 Personen, ein Plus von 7,4 %.
- Lehrlingszahl in Österreich fällt erstmals unter 100.000
- Überbetriebliche Lehrwerkstätten verzeichnen mehr Zulauf
- Österreichweit stehen 11.693 Lehrstellensuchende nur 7.716 offenen Stellen gegenüber
- Zwischen Tirol und Wien zeigen sich gegensätzliche Trends
Was sich bei den Lehrlingszahlen ändert
Der Rückgang betrifft vor allem klassische betriebliche Lehrverhältnisse. Parallel dazu wächst die Bedeutung überbetrieblicher Lehrwerkstätten als Auffangnetz für Jugendliche, die keinen Betriebsplatz finden. Österreichweit entscheidet sich laut Klaus Mair, Lehrlingssprecher der ÖVP, derzeit ein Drittel der 15-Jährigen für eine Lehre.
Wen die Entwicklung betrifft
Besonders betroffen sind Jugendliche in Wien. Dort kommen auf eine offene Lehrstelle rund neun Suchende, bei insgesamt 611 offenen Stellen und 5.551 Lehrstellensuchenden. Ganz anders sieht die Lage in Tirol aus. Dort stehen 1.548 offenen Lehrstellen nur 596 Suchende gegenüber. Das entspricht einem Verhältnis von rund 2,6 offenen Stellen je suchender Person.
Was Betriebe und Lehrwerkstätten bieten
Neben der Ausbildung im Betrieb gewinnen überbetriebliche Lehrwerkstätten an Gewicht. Sie bieten Jugendlichen eine Ausbildung auch dann, wenn kein passender Betriebsplatz verfügbar ist. International zeigt sich die Qualität der österreichischen Lehre: Bei den Berufsweltmeisterschaften WorldSkills in Shanghai trat Österreich mit 48 Teilnehmerinnen und Teilnehmern an und holte laut Politiker Klaus Mair 4 Silber- und 6 Bronzemedaillen sowie 20 Auszeichnungen für hervorragende Leistungen. Damit erreichte das Team Platz sieben in der Nationenwertung, 32 von 48 Teilnehmenden kehrten mit Medaille oder Auszeichnung zurück.
Was das für Bewerber bedeutet
Für Lehrstellensuchende hängt die Chance stark vom Bundesland ab. In Tirol und ähnlichen Regionen mit Stellenüberhang stehen die Chancen auf einen Ausbildungsplatz deutlich besser als in Wien, wo die Konkurrenz um offene Lehrstellen hoch bleibt. Wer flexibel bei der Berufswahl oder dem Ausbildungsort ist, verbessert die eigenen Aussichten spürbar.
Mair mahnt laut eigener Aussage, dass es nicht reiche, nur über die Lehre zu sprechen: Jugendliche bräuchten echte Perspektiven statt bloßer Umverteilung freier Plätze zwischen den Regionen. Wer Fachkräfte gewinnen wolle, müsse die Ausbildung selbst stärker fördern.
Tipps für Lehrstellensuchende
- Regionale Unterschiede nutzen: In Bundesländern mit Stellenüberhang wie Tirol sind die Chancen besser
- Überbetriebliche Lehrwerkstätten als Alternative in Betracht ziehen, wenn kein Betriebsplatz gefunden wird
- Mehrere Berufsfelder parallel in Erwägung ziehen, um die Auswahl an offenen Stellen zu erhöhen
- Frühzeitig bei AMS und Lehrbetrieben melden, besonders in stark nachgefragten Regionen wie Wien
- Erfolge wie die Platzierungen bei den WorldSkills zeigen: Eine Lehre eröffnet auch internationale Karrierewege
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.